Mühlviertel pur entdecken und genießen
Most


Most

 as den Briten der Cider, den Franzosen der Cidre, den Hessen der Äppelwoi und den Slowenen der  Jablocnik, ist den Mühlviertlern ihr Most. Was heute als Lifestyle-Getränk immer mehr in Mode kommt, hat eine große Geschichte. 
Die Kühle, die über die Böhmische Platte streicht, macht den Most resch und herb, die Sonnenkraft des Mühlviertler Sommers macht ihn süß und fruchtig. So findet sich das Wechselspiel des rauen Landes nördlich der Donau in seinen Fässern wieder. Most hat viele Gesichter. Süß und zuckrig kann er sein, herb und rassig, klar und glänzend, aus Äpfeln, aus Birnen oder aus beiden gemischt. Seinen Namen hat er vom lateinischen »mustus«, was so viel wie »frisch« bedeutet, seine Verbreitung verdankt er den Privilegien hoher Herren – jahrhundertelang durften nur sie sich an Wein und Bier laben, der Most blieb fürs gewöhnliche Volk. Fast ein Lebensmittel ist daher der Most für die Mühlviertler, die dem Urgesteinsboden in fast dreißig Generationen jene lieblichen Streuobstwiesen abgerungen haben, die heute die Besucher entzücken. Wie kaum anderswo prägen die Birnen- und Apfelbäume entlang der Straßen und rund um die soliden Vierkanthöfe das Mühlviertler Landschaftsbild. Kaum zu glauben, dass das Fällen dieser Obstbaume einmal von oberster Stelle gefördert wurde, um den Einsatz von landwirtschaftlichen Maschinen zu vereinfachen. Glücklicherweise griffen viele diesen alten Brauch wieder auf. Mit der Aufwertung des Mostes erfuhr auch der Produktionsprozess eine Verfeinerung. Die gewaschenen und zerkleinerten Früchte werden nun meist sortenrein gepresst. Durch »Schönung« werden dem Saft die Trübstoffe entzogen und er kommt mit Edelhefe zur Gärung ins Fass. Früher wurde die Gärung ausschließlich durch Wildhefen des Obstes ausgelöst, die jedoch je nach Kältetoleranz und Gärkraft unterschiedliche Ergebnisse zeigten. Nach rund sechs Wochen heißt es für den Most umziehen, solange er noch Restsüße in sich hat. Dadurch wird die Gefahr eines Essigstichs vermieden. Cuvettiert, also vermischt, wird der Most erst als fertiges Produkt. Nur so kann ein fein nuancierter, zwischen Säure und Zucker gut balancierter Most entstehen. 

     Norbert Eder, Mostbauer aus Tragwein und Obmann des österreichischen Mostsommelier-Vereins, sieht im Most durchaus auch einen ökologischen Faktor: »Wenn die Früchte keinen Wert mehr haben, dann hat auch der Baum keinen. Das ist aber ein Riesenverlust für die Landschaft und auch für die Biodiversität.« … Pankrazhofer
     Die Tradition des Mostmachens führt auch Manfred Gaßner weiter und hat seine Bio-Landwirtschaft in Bad Kreuzen zur Mostschenke erweitert. Mit der Produktion hält er es wie die Altvorderen – er presst selbst, putzt seine Fässer selbst und macht klassischen Mischlingsmost. …Speck Alm
     Nicht immer wird selbst produziert. Josef und Tanja Deisinger in Katsdorf »lassen mosten«. Als frisch gebackene Mostsommeliers liefern sie das Obst von den eigenen Bäumen in den Nachbarort und bekommen ihn fix fertig geliefert. … Deisinger-Hof